Rückblick auf den 14.
Bürger-Patienten-Treff Unter freiem
Himmel auf Klappstühlen im Kreis sitzend haben wir uns über folgende Fragen
unterhalten: Was haben wir in den letzten Monaten mit dem
Schulterschluss erlebt? Was wollen wir weiterhin bewirken Was ist unser Anliegen? Klar, das regte dazu an noch viel
mehr Fragen zu stellen: ·
Wollen wir versuchen Korrekturen an diesem
System zu erreichen oder uns lieber für ein anderes System einsetzen? ·
Wie könnte ein anderes System aussehen? ·
Wie müsste ein auf Langfristigkeit ausgelegtes
System aussehen? ·
Wie können wir unsere Macht über das Gesundheitssystem
oder Teile davon wiedererlangen? ·
Wie können wir uns von dem bestehenden System
unabhängig machen? Insgesamt
also ein sehr kritischer Blick auf alle Initiativen oder Vorhaben, die im
Rahmen der Politik auftauchen, weil sie eben nur kleine Korrekturen am
bestehenden vornehmen, und das ohne Aussicht auf nennenswerte Erfolge. Wir haben
festgestellt, bei vielen Menschen fehlt die Kraft und die Zeit sich zu engagieren,
häufig trifft man auf Resignation. Es reden viele und finden es gut, wenn man
sich engagiert und etwas versucht, aber selber machen will keiner. Auf der
anderen Seite wurde auch deutlich, dass wir als Schulterschluss uns zu den
aktuellen Entwicklungen, die in naher Zukunft noch mehr Brisanz und auch wieder
mehr Aufmerksamkeit von Seiten der Ärzte bekommen wird, äußern müssen. Auch wenn die Ärzte nun doch aktiv
werden gegen die E-Card, wollen wir sie darin unterstützen und wieder mit unseren
Buchstaben auf die Straße gehen. Es besteht
der Wunsch, mit anderen Schulterschluss-Gruppen Kontakt aufzunehmen und heraus
zu finden was die so umtreibt. Sabine Petersen
hat über Transition Town erzählt, die Bewegung , die aufgrund der drohenden Erdölverknappung
mit viel Kommunikation und Kreativität versucht als eine Basisbewegung die Abhängigkeit
vom Öl zu reduzieren. Dabei wird vor allem die weitestgehende Regionalisierung fast
aller Produktionsbereiche angestrebt,
wobei regionales Wirtschaften auch mit eigenen Währungen ein Mittel ist, dieses
Ziel zu erreichen. Dabei kann auch eine Regionalisierung des Gesundheitswesens eine
Rolle spielen. Es macht für uns sicher Sinn,
mit der Transition Town Bewegung zu kooperieren. Für den 8. Oktober ist ein
Treffen der SAMARITA in Kiel geplant um die Erfahrungen mit einem subsidiär
geregelten Gesundheitssicherungssystem kennen zu lernen. Frank
Beermann hat uns noch darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit dem Offenen Kanal
Kiel ein Medium nutzen sollten um die Anliegen des Schulterschluss zu
verbreiten. Die
Versammlung wurde beschlossen mit dem Wunsch, dass wir im September uns erste Gedanken machen wollen über „ein anderes System“ und obendrein doch auch die aktuellen
Themenbearbeiten. Das
Fritz Beske Institut und die Herrman Ehlers Akademie hatten zur
Podiumsdiskussion geladen: Hochrangige Persönlichkeiten aus dem
Gesundheitssystem (Politik und Vertreter der dt. Krankenhausgesellschaft, der Krankenkassen,
des G-BA und der Kassenärztlichen Vereinigung), d.h. eine breite Repräsentanz
der Funktionsträger. Im Publikum waren auch geladen Angehörige der
Gesundheitsberufe und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Es war uns
versprochen worden, dass nach der ersten Gesprächsrunde das Auditorium in die
Diskussion einbezogen würde. Herr
Prof. Beske begrüßte die Anwesenden in seiner freundlichen Art und dann konnten
die auf dem Podium Sitzenden recht geräumig ihre Stellungnahmen zu dem Thema
Finanzierung und Gestaltung des Gesundheitssystems bis zum Jahre 2050 mit den prognostizierten demographisch gewandelten
Problemen abgeben. Die zweite viel interessantere Fragestellung der
Regionalisierung und Dezentralisierung wurde dabei allerdings leider von den Podiumsgästen
nur gestreift. Nachdem
nun gut 1 ¾ Stunden das zu hören war, was man immer hört, wurde denn
tatsächlich auch dem Publikum die Möglichkeit gegeben sich zu äußern, wobei
dann vom Podium keine wirklichen Antworten gegeben wurden. Äußerte jemand
deutliche Kritik, hieß es, dass man die
Fakten nicht ausreichend kenne und wurde damit als nicht ausreichend kompetent
eingestuft. Leider hatte man bei diesem
Setting ohne unhöflich den gesitteten Gang der sog. Diskussion zu unterbrechen oder zu stören,
keine Chance seine Äußerungen zu ergänzen oder zu erweitern, damit die eigenen
Aussagen nicht kurzerhand vom Tisch gewischt wurde. So behielten die Teilnehmer auf dem Podium immer und grundsätzlich zu jedem Thema das
erste und das letzte Wort. Aus der Psychologie kennen wir zwei Effekte:
Primacy- und Recency-Effekt: die erste
und letzte Information wird besonders deutlich wahrgenommen. Die Leute auf dem
Podium können ihre ersten wohlvorbereiteten Statements in aller epischen Länge
ausbreiten und haben dabei alle Zeit sich warm zu reden, d.h. sie können ihren
Einstieg mit Zeit und Sicherheit vortragen, und das kann die Wahrnehmung der
Zuhörer nachhaltig beeinflussen. Die Leute aus dem Publikum müssen auf den
Punkt mit einem Anliegen, einer Frage oder einer Bemerkung rüberkommen. Im weiteren Verlauf hat man keine Chance das,
was auf dem Podium daraus gemacht wird positiv zu einem Ende zu bringen. Die
Aussagen von „Oben“ sind nicht mehr korrigierbar, d.h. der Recency-Effekt kann
von Oben nach Wunsch beeinflusst werden. So kann man jeden Kommentar aus dem Publikum
nach Wunsch heben oder fallen lassen. Viel
genauer versteht man die Abläufe einer solchen Veranstaltung, wenn man den
weiteren Verlauf ins Auge fasst. Das gemeine Volk wird freundlich
verabschiedet, dann trifft man sich in geladener Runde zu Prosecco, Bisonbraten
und Wein. Ja wer trifft sich da? Vertreter der Pharmaindustrie,
Kammervorsitzende, Krankenhausmanager, Kassenfürsten etc. Funktionäre und
Lobbyisten, fröhlich beieinander über Fußball und Weinkorken parlierend. Hier
werden die eigentlichen Entscheidungen getroffen, hier knüpft man seine
Beziehungen, hier darf man, wenn man sich wohl verhält und nicht unangenehm
auffällt seinen Weg in die Funktionärs-Hierarchie antreten. Wie
viele aus dem Publikum waren eigentlich normale Leute, Ärzte, Pflegekräfte,
Patienten und interessierte Bürger, vielleicht 10-20. Der Rest kennt sich, gehört
zum „Club“ oder bemüht sich artig darum dazu zugehören. Ganz persönlich im Gespräch danach gefragt, ob man denn Hoffnung sehe, die
alleinige Vormachtstellung der Wirtschaftsinteressen zu brechen, sagte einer
der Herren: Erst, wenn das System an die Wand gefahren ist. Diese Leute auf dem Podium und all die geladenen Gäste haben nur ein
Interesse daran den Status quo so lange wie möglich zu erhalten, sonst nichts,
denn so geht es ihnen bestens. Meine ganz persönliche Quintessenz: Wir können nur von unten dafür sorgen,
dass etwas besser wird, von oben wird es keine positiven Impulse geben. Sabine Petersen Sehr versiert und tiefgründig erzählte Dr. Wodarg über die Vorgänge
im Gesundheitssystem. Aus der Fülle der verschiedenen Themen hier einige als
Beispiel: Das relativ solidarisch organisierte Gesundheitssystem
stellt eine echte Kulturerrungenschaft dar, denn 80% der Bevölkerung wünschen
sich ein solches System. In den meisten anderen Ländern bedeutet Krankheit,
dass man arm wird. Diese Kulturerrungenschaft wird nun gerade zerstört. 1992 sind die Solidargemeinschaften in den Wettbewerb
geschickt worden, d.h. dass sie möglichst hohe Einnahmen und geringe Ausgaben
haben sollten. In jeder Bevölkerung
haben wir auf 10.000 Versicherte ca. 300 sehr kranke Menschen, die werden heute
gerne vergrault, anstatt ihnen zu helfen. Heutzutage werden viel zu viele
Menschen in Kliniken behandelt, was bei einer gut strukturierten und besseren
ambulanten Versorgung nicht nötig wäre. Da gäbe es gewiss noch Möglichkeiten
zur Steigerung der Effizienz. Eigentlich sollte es darum gehen, mit sowenig Geld wie
möglich die Leute so gesund wie möglich zu halten. Die Krankenkassen müssten
eigentlich ein Interesse daran haben die Leute gesund zu erhalten. Darauf
müsste sich eine umfassende Gesundheitspflege gründen. Allerdings verfolgen die Krankenkassen einen anderen Weg.
Sie bauen hohe Hürden auf für chronisch Kranke, um diese loszuwerden und wirbt
um junge gut gebildete Leute. Wer ist eigentlich verantwortlich für das ganze
System? Es gibt keinen. Man könnte sich ein kommunalisiertes Gesundheitssystem
vorstellen, mit Budgets für die einzelnen Regionen. Dann könnte in den Regionen
die Fragen geklärt werden: Welche Probleme haben wir? Was regeln wir wie? Es
könnte Gemeindestationen für z.B. je 10.000 einwohner geben, und dort arbeiten
Ärzte und Pflegekräfte wie in Krankenhäusern zusammen. Das könnte eine
regionale Basisversorgung gewährleisten. Dann
lieferte Herr Wodarg noch einige Fakten: Die
Pharma-Industrie bringt derzeit maximal 4 wirklich neue Produkte pro Jahr auf
den Markt. Pro Monat
kauft die Rhön Klinik AG eine Regionalklinik. 5 große
weltweite Konzerne bestimmen im Grunde, was weltweit als Nahrungsmittel
angebaut wird. Hier haben
wir 4 Energie-Konzerne. Jetzt laufen
wir auf 4 Gesundheitskonzerne zu. An die
Ausführungen von Herrn Wodarg schloss sich eine sehr lebhafte Diskussion an. Elektronische Gesundheitskarte - Nein Danke! Sehr interessant sind die Aussagen Daniel Bahrs (derzeit
Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium, FDP) vor der
Bundestagswahl. Wir können Bahr nur dankbar sein, dass er uns bereits vor gut
einem Jahr hingewiesen hat, worauf wir bei der zukünftigen Politik bezüglich
der eGK achten müssen: Bahr am 19. 3. 2009 "...Studien haben aber
gezeigt, dass sich das gesamte Projekt um die elektronische Gesundheitskarte
erst dann rechnet, wenn diese freiwilligen Zusatzanwendungen auch genutzt
werden. „ Also: Sinn macht das alles nur, wenn die Möglichkeiten der
Karte voll ausgeschöpft werden. "…Schon häufig konnte man in anderen Bereichen erleben, wie hohe
Datenschutzstandards aufgeweicht wurden. Freiwillige Anwendungen können
schnell zu Pflichtanwendungen werden, wenn damit in einem finanziell stets auf
Kante genähten Gesundheitssystem Kosten eingespart werden sollen. Also: Wenn eine
Karte mit „freiwilligen“Möglichkeiten eingeführt wird, werden die bald zur Pflichtanwendung. Komisch, jetzt will
die FDP genau das machen, wovor sie uns vor 13 Monaten so eindringlich gewarnt
hat. Mit diesen Argumenten warb sie für einen Stopp der eGK. Wenn man von der
Oppositionsbank auf die Regierungsbank wechselt, scheint sich dabei die
Perspektive sehr drastisch zu verändern. Gesundheitsminister Rösler (FDP): "Wir gehen den Aufbau der
Telematikinfrastruktur schrittweise an und beginnen mit einer erweiterten und
datenschutzrechtlich sichereren Krankenversichertenkarte.“ Also: Die elektronische
Gesundheitskarte ist beschlossene Sache. Allerdings zunächst nur auf freiwilliger
Basis und in abgespeckter Version. Aha, das ist genau der Fall, den Bahr
beschrieb. Wir wissen Bescheid. Daher war der Rest des
Abends den Überlegungen gewidmet, wie man in Kiel eine E-Card freie Zone
einrichten kann. In Gesprächen in kleinen Gruppen und gemeinsamer Diskussion
wurden einige Ideen entwickelt, wie wir unsere Ziele publik machen können und
im Schulterschluss mit den Ärzten in Aktion gegen die E-Card treten können. Hier die Powerpoint-Präsentation des Abends als PDF Rückblick auf den Vortrag von Henning Kutzbach, Barmer GEK
am 11. März 2010 „ Die gesetzlichen Krankenkassen: Sachwalter und
Anwalt des Patienten in unserem Gesundheitswesen?“ Herr Kutzbach berichtete über den Zusammenschluss der Barmer
Ersatzkrankenkasse mit der GEK zum 1.1.2010 und über die Gremien und deren
Strukturen. Die neue Strategie der Krankenkasse lautet: Prävention und
Innovation. Die Patientenbeteiligung im Gesundheitswesen, die von Herrn
Kutzbach an vielen Stellen anklang, bot reichlich Diskussionsgelegenheit.
Patientenvertreter sind teilweise ohne Stimmrecht (z.B. im Gemeinsamen
Bundesausschuss) oder rekrutieren sich über Patientenorganisationen, die in
gewisser Abhängigkeit stehen, und somit
nicht wirklich patientenorientiert tätig sein können. Die Sozialwahl, die alle sechs Jahre stattfindet, soll eine
demokratische Kontrolle der geschäftsführenden Vorstände der Krankenkassen
ermöglichen. Die Versicherten können so an der Gestaltung der
Geschäftspolitik ihrer Krankenkasse
mitwirken. Da aber gesetzliche Regelungen nur wenig Freiraum zulassen, wird die
Bedeutung der Sozialwahl unterschiedlich eingeschätzt, zudem ist sie von sehr
geringer Wahlbeteiligung geprägt. Oft kann nur eine Vorschlagsliste mit
Kandidaten gefüllt werden, so dass die vorgeschlagenen Kandidaten ohne
Wahlhandlung als gewählt gelten ( Friedenswahl ). Diese Listenwahl ( im allgemeinen überwiegend
mit Gewerkschaftern besetzt ) beeinträchtigt in erheblichem Maße die
Rechenschaftspflicht der Mandatsträger gegenüber der Versichertengemeinschaft. Dennoch bietet das Engagement in den Aufsichtsräten der
Krankenkassen derzeit für die Patienten die einzige Möglichkeit, überhaupt
Einfluss geltend zu machen. Von daher sind von Schulterschluss möglichst viele
Kandidaten für die kommenden Sozialwahlen in 2011 aufzustellen. Einen breiten Rahmen nahm auch die Diskussion ein, wie
sinnvoll die verschiedenen Krankenkassen heute sind, die ja mehr oder weniger
ähnliche Leistungen anbieten. Der mehrfach angesprochene Vorteil einer
Einheitskrankenkasse wurde von Herrn Kutzbach so nicht gesehen. Er erachtete den
Wettbewerb der Krankenkassen untereinander als für den Versicherten
vorteilhafter. Der Zusatzbeitrag von 8 €, den einige Krankenkassen bereits
von Ihren Mitgliedern verlangen, wird bei der Barmer GEK noch nicht erhoben,
ist aber politisch gewollt, bevor der von der Politik bewusst unterfinanzierte
Gesundheitsfond aufgestockt wird. Hier macht sich
bereits nach einem Jahr Gesundheitsfond der gravierende Nachteil der
finanziellen Abhängigkeit des Beitragsaufkommens der GKV von der Politik
bemerkbar. Als für das Vertragswesen der BEK / GEK mit den
Leistungsanbietern verantwortlicher Verhandlungsführer in den norddeutschen
Bundesländern stellte Herr Kutzbach im Hinblick auf Verhandlungen mit den
Krankenhäusern keine gravierenden Unterschiede zwischen kommunalen und privaten
Betreibern fest, wenngleich die Gesprächspartner der Klinikkonzerne sehr viel
professioneller zu Werke gehen. Die Problematik der „blutigen
Entlassungen“ infolge der politisch gewollten Krankenbettenverknappung und der
DRG-Pauschal-Vergütungen für Krankenhausleistungen ist den Krankenkassen
bewusst und soll künftig durch „Nachsorge-Verträge“ mit ambulanten
Leistungsanbietern abgemildert werden. Viele sehr interessante Fragen wurden noch an den Referenten
herangetragen, die sowohl verschiedene Blickrichtungen erkennen ließen, als
auch großen Aufklärungsbedarf zeigten. Alles in allem bot der
Bürger-Patienten-Treff wieder einmal mehr Einblick in die Komplexität unseres
Gesundheitswesens: die Dienstleistung der Krankenkassen für den Patienten, die
dieser immerhin mit über 5% des Beitragsaufkommens honoriert, gehen weit über
das „Einsammeln von Beiträgen“ hinaus und sind unter anderem geprägt von -
Vertragsverhandlungen
mit den Leistungsanbietern, die ( mehr oder weniger erfolgreich )
Qualitätsstandards festschreiben, -
kostenbewusstem
Umgehen mit den Versichertengeldern und -
Leistungskontrolle
bei den Abrechnungen der Leistungsanbieter. Dennoch gibt es auch bei den
Krankenkassen aus Sicht der Versicherten noch vieles zu bessern.......!!! Ein Nachklang von Sabine Petersen Herr Beske stellte die fünf Grundbedingungen für ein gutes
Gesundheitssystem dar: 1. 1. Krankheit
darf für niemanden zur finanziellen Katastrophe führen 2. Alter darf nicht zum Leistungsausschluss führen 3. Gewährung relativ wohnortnaher Versorgung 4. Freie Arztwahl 5. Medizinischer Fortschritt für alle Der demographische Wandel im Zusammenhang mit dem enormen
medizinischen Fortschritt erfordert Priorisierung und Rationierung des
Leistungskataloges der GKV. So knapp und überzeugend auf den Nenner gebracht,
wirken die Ausführungen von Herrn Beske schockierend. Wie gehen wir Versicherte und Patienten damit um? Es bleibt
nur dann ein schwer verdaulicher Brocken, wenn man sich das Ganze unter
heutigen Bedingungen vorstellt: Finanzkräftige Konzern-Lobby-Gruppen handeln
sämtliche Entscheidungen unter sich aus, einseitige Ausrichtung der
medizinischen Welt auf „Lebenretten“ und Vernachlässigung von „Lebensqualität
trotz Krankheit“, Ausschluss von Patienten und Versicherten an allen
Entscheidungsprozessen. Alles wird möglich, wenn wir, d.h. Versicherte und Patienten
teilnehmen an den dafür nötigen Diskussionen, wenn wir durch Verständnis und
Gespräch in einem offenen und transparenten Prozess zu Entscheidungen für oder gegen bestimmte medizinische
Leistungen kommen. Das war die Stimmung
der 100 Teilnehmer nach der lebhaften
Diskussion. Aber sowohl Prof. Beske als auch die Teilnehmer beklagten, dass
genau diese öffentliche Diskussion nicht existiert, ja, eigentlich wird alles
getan, um sie zu vermeiden. Stattdessen werden uns Heilsversprechungen und
neoliberale Privatisierungs- und Effizienzsteigerungs-Phantasien vorgegaukelt,
womit die GKV stabilisiert werden könne. Immer wieder wird über unsere Köpfe
hinweg entschieden. Mit unserem Kreuzchen am 27. September scheinen die
Politiker nun zu wissen was wir wollen und brauchen uns nun nicht mehr zu
fragen. Das wollen wir aber ändern!!! Wir sind die Versicherten und Patienten, denen dieses System
dienen soll. Wir versuchen nun seit Monaten dieses Gesundheitssystem zu durchschauen,
wir sind engagierte Bürger. Ein Volksvertreter müsste eigentlich ein Interesse
daran haben, mit uns in einen offenen Dialog zu treten. Daher sollten wir in absehbarer Zeit unseren
neuen Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Herrn Dr. Heiner Garg
einladen. Herr Beske hat uns gerade für derartige Aktionen
nachdrücklich den Rücken gestärkt und aufgefordert, nicht nachzulassen in einen
offenen Dialog mit allen Verantwortlichen zu treten. Es kommt auf jede freie
Individualität an, die jetzt zum Handeln bereit sein will. Herzlichen Dank, Herr Professor Beske, für diesen Abend
voller Fakten, geschichtlicher und politischer Überblicke, Einblicke und
Weitblicke.
13. Bürger-Patienten-Treff mit Dr. Wolfgang Wodarg
2. Demo auf dem Asmus-Bremer-Platz
auch am 5. 6. waren wieder 19 aktive am Start, diesmal mit schönen neuen kleinen Info-Flyern und Herrn Siegfried Lauinger, Arzt, als Gastredner. Hier haben wir viel mehr interessierte Zuhörer erreicht und konnten mehr Infomaterial verteilen.
1. Demo auf dem Bahnofsvorplatz (29. Mai 2010)
19 aktive Teilnehmer in weißen Anzügen mit Krankheitsschildern und Buchstabenplakaten machten den Protest gegen die eCard sichtbar. Es hat Spaß gemacht und wir haben einiges gelernt, was wir am kommenden Samstag besser machen können. Auch demonstrieren kann man lernen! Nächste Woche gibt es auch schöne Flyer zum verteilen.
12. Bürger-Patienten -Treff
11. Bürger-Patienten-Treff
10. Bürger-Patienten-Treff
Kliniken im Angebot - Der Privatisierungs-Fluch
Was verändert sich, wenn Kliniken von privaten Investoren betrieben werden...
Was bedeutet Privatisierung für finanzschwache Kommunen...
Wie ist der Stand der Privatisierung in Schleswig-Holstein...
Trotz Eis und Schnee trafen sich viele Bürger-Patienten um sich über die derzeitige Privatisierungswelle im deutschen Gesundheitsmarkt zu informieren. Allgemein herrschte ungläubiges Staunen darüber, wieviele Kliniken in Schleswig-Holstein bereits privatisiert sind, bzw. unter einem externen Management geführt werden. Die bange Frage steht im Raum wie man verhindern kann, dass einige wenige Klinik-Konzerne sich den Markt aufteilen und dann Preise und sämtliche Bedingungen diktieren können.
Hier die PowerPoint Präsentation als PDF
9. Bürger-Patienten-Treff
Patienten-Organisationen - Wer vertritt wirklich die Anliegen der Versicherten und Patienten?
Vom den Patienten-Ombudsleuten über die Verbraucherzentralen bis zur "WeißenListe" von Bertelsmann...
Ehrenamtliche Helfer vorort unterstützen mit Engagement einzelne Patienten, aber wer vertritt uns wirklich politisch?
Gibt es jemanden der nicht um Projektmittel bangt, der offensiv und ohne Abhängigkeiten die Position der Versicherten und Patienten vertreten kann?
Eigentlich nicht! Wir haben den Eindruck, dass nur der bundesweite Verein "Bürger-Schulterschluss e.V. " diese Voraussetzungen hat.
Hier die PowerPoint-Präsentation als PDF
Wunschpunsch beim 8. Bürger-Patienten-Treff im Dezember
32 Aktive versammelten sich um ihren Wunschzettel an die Politiker zu schreiben.
Aber zunächst fasste Sabine Petersen die bisherigen Aktivitäten der Initiative Schulterschluss-Kiel zusammen. Dabei wurde intensiv über das zukünftige Vorgehen diskutiert. Manche wünschen sich eine viel radikalere Betrachtung der bestehenden Verhältnisse, da man den Eindruck haben kann, dass das gesamte System (nicht nur das Gesundheitssystem ist hier gemeint) am Ende sei, und man sich auf ganz neue Gedanken und Verhältnisse einlassen müsste, und die auch quasi denken lernen müsste.
Andere legen mehr Wert darauf, dass das bestehende System modifiziert, verwandelt, verbessert werden muss. Für beide Ansichten gab es ein reges Für und Wider.
Vielleicht ist es sinnvoll beide Wege parallel zu beschreiten. Es ist jedoch eine Frage der Kapazität und des Einsatzes. Der Bürger-Patienten-Treff (BPT) wird wohl zunächst ein Forum für Information und Austausch über das Gesundheitssystem bleiben. Der Schulterschluss mit möglichst vielen Menschen, Patienten, Versicherten, Ärzten, Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Therapeuten ist weiterhin die oberste Leitlinie. Aber neben dem BPT könnte sich eine andere Gruppe zusammenfinden, die sich mit ganz grundlegenden Veränderungen befasst. Das ist sicherlich auch notwendig. Wir können gespannt sein, ob jemand die Initiative ergreift.
Anschliessend wurde der Wunschzettel geschrieben. Sie können unseren Wunschzettel als PDF ausdrucken und ihn ebenfalls an entsprechende Minister oder Abgeordnete schicken.
Hier die PowerPoint-Präsentation als PDF
Wunschzettel zum Ausdrucken
Herr Professor Beske beim 7. Bürger Patienten-Treff am 12. November
6. Bürger-Patienten-Treff am 8. Oktober
Carsten von Wieding stellte einige Probleme bezüglich der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) da, und das diente vielen der 55 Teilnehmer sehr kritisch und kämpferisch nach zu fragen. Es zeigte sich deutlich, dass 1. die Sorgen groß sind, 2. wir als Schulterschluss-Kiel schon richtig pfeffrig fragen können. Es kam viel Pepp aber auch Sachverstand aus den Reihen der Teilnehmer.
5. Bürger-Patienten-Treff am 10. September
Im gut gefüllten Saal im Restaurant Seeburg hielt der Apotheker Dr. Uwe Schersch zu dem Thema „Medikamente, Pharma-Industrie, Rabattverträge“ einen Vortrag und versetzte nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte und selbst Apotheker in ungläubiges Staunen, denn, wenn wir Patienten unsere bewährten Medikamente besorgen wollen, werden wir seit dem 1. April 2007 – spätestens aber seit dem 01.06.09 mit dem Inkrafttreten neuer Rabattverträge der AOK - in der Apotheke auf den Boden der neuesten Tatsachen gestellt. Wir bekommen die gewohnten und bewährten Medikamente sehr oft nicht mehr, es sei denn, wir leisten erhöhte Zuzahlungen oder übernehmen sogar die Gesamtkosten. Die Rabattverträge, welche die Krankenkassen mit den verschiedenen Pharmafirmen ausgehandelt haben, bestimmen, welches Medikament für uns „passend“ ist. Dies wurde den Krankenkassen vom Gesetzgeber ermöglicht, um Kosten zu sparen, und das ist in manchen Fällen auch sicherlich sinnvoll. Aber wenn sich Patienten auf Medikamente einstellen müssen, die sie nicht vertragen, wird dann wirklich gespart? Ärzte sollen nur noch den Wirkstoff auf dem Rezept vermerken oder den Austausch des verordneten Präparates gegen ein wirkstoffgleiches Arzneimittel durch den Apotheker gestatten. In der Apotheke „wirft“ dann der Computer– je nach Krankenkasse – das für den Austausch vorgeschriebene Medikament des Krankenkassen-Rabattpartners aus. Jede der über 200 Krankenkassen hat „eigene“ Rabatt-Medikamente. Das erfordert in den Apotheken eine enorme Lagerhaltung, schnelle Disposition, großen bürokratischen Aufwand, ständig neue Software und leistungsstärkere Computer, ohne die heute keine Apotheke mehr ein verschreibungspflichtiges Medikament für einen Kassenpatienten auswählen und abgeben kann.
Gleiches gilt für Hilfsmittel ( z.B. Inkontinenzprodukte ), die nach dem Motto: praktisch, zweckmäßig, preiswert für die Krankenkassen, wenn auch manchmal ungeeignet für Patienten, ausgehandelt wurden. Und die wohnortnahe Bedarfs-gerechte Rundumversorgung der Patienten wird auf diese Weise gefährdet.
Werden damit längerfristig wirklich Kosten gespart?
Auch zu diesem Thema gab es anschließend viele Diskussionsbeiträge.
Vortrag von Renate Hartwig am 3. September 2009 in Kiel
Es waren keine Phantasy-Geschichten, die wir von Renate Hartwig hörten – leider. Es ist Realität in unserem Land!
Wer noch nicht sensibilisiert war, wurde es auf jeden Fall durch den Vortrag, denn der Ausverkauf unseres sehr guten und am Patienten orientierten Gesundheitssystems hat längst begonnen, dank Politiker und Lobbyisten, der Kassenärztlichen Vereinigung und der gesetzlichen Krankenkassen, die bei dem Gesundheitsmilliardenspiel mit zweifelhaften Tricks aufwarten. Der Ausverkauf an private Kapitalinvestoren, die Arztpraxen und Kliniken zu Dumpingpreisen aufkaufen, ist voll im Gang. Den Einstieg amerikanischer Gesundheitskonzerne – die gerade den amerikanischen Präsidenten dank millionenschwerer Publicity daran hindern, ein soziales Krankenversicherungssystem zu etablieren – ebnet vor allem unsere Gesundheitsministerin mit ihren Fürsprechern den Weg. Und all das geschieht hinter unserem Rücken. Renate Hartwig berichtete über die jüngsten Recherchen, die noch Schlimmeres ahnen lassen: Es werde gemauschelt, betrogen, gelogen, extrem viel Geld hinterzogen, die Bevölkerung für dumm verkauft unter dem Deckmäntelchen höherer "standardisierter Qualität", bei der jegliche Ethik und Menschlichkeit auf der Strecke blieben.
Renate Hartwig hat unsere Courage gestärkt, weiterhin für ein menschliches und transparentes Gesundheitssystem zu kämpfen. Vielen Dank für die weite Reise nach Kiel.
Podiums-Diskussion im Rathaus Eutin am 30. August
Zukunft des Gesundheitssystems
4. Bürger-Patienten-Treff am 13. August
Mitten in den Ferien trafen sich knapp 40 Interessierte um über die Programme und Vorstellungen der verschiedenen Parteien zum Gesundeheitssystem zu debattieren. In kurzen Referaten wurden die jeweiligen Programme der SPD, CDU,FDP, Grünen, Linke, und Violetten vorgestellt und anschießend diskutiert.
Gesamteindruck: Schwierig, alle versprechen flächendeckende Rundum-Versorgung, vermischt mit einzelnen Details zu einer möglichen Realisierung. Es gibt wenig konkrete Angaben wie mehr Transparenz und öffentliche Diskussion gefördert werden kann.
Quintessenz: Die derzeitige Partei-Politik scheint wenig hilfreich zu sein in der Bewältigung anstehender Probleme. Können partei-freie Abgeordnete mehr bewirken?
Hier die PowerPoint-Präsentation mit unseren Forderungen als PDF
3. Bürger-Patienten-Treff am 9. Juli
zusammengefasst von Karin Meyer
Schon zum dritten Mal haben sich gestern, Donnerstag, 9.7. knapp 60 Menschen im Restaurant Seeburg an der Kiellinie zum Schulterschluss versammelt.
Eingeleitet wurde der Abend mit einem Referat von
Herrn Dr. Svante Gehring, einem jungen, sehr sympathischen internistischen Kassenarzt aus Norderstedt.
Noch 2004 hatte Deutschland ein sehr gutes ambulantes Gesundheitsversorgungssystem und stand nach OECD-Bericht im Vergleich von 39 Staaten an vorletzter Stelle mit der Höhe der Ausgaben.
Trotzdem wurde das 2004 beschlossene Gesundheits-Modernisierungsgesetz mit den unbezahlbaren Kosten begründet.
2007 folgte das Wettbewerbsstärkungsgesetz.
Reformfolgen:
• zentralistischer: Berlin entscheidet über uns in S-H.
• bürokratischer: DMP (Disease Management Programme), QM (Qualitätsmanagemant), Gesundheitsfonds usw.
• marktwirtschaftlicher: Pseudowirtschaftlicher, d.h. der „David“ einzelner Arzt wird gefesselt und geknebelt und dem „Goliath“ Krankenhauskapitalgesellschaften zum „Wettbewerb“ vorgeworfen.
• monopolistischer: Großklinikkonzerne übernehmen Artpraxen
• teurer: Erhöhung der Beiträge, Zuzahlungen, Praxisgebühr
Bis 2020 werden 15.000 Ärzte fehlen. ¼ der Bürger wird dann nicht mehr versorgt sein. Auf dem Land noch viel drastischer als in der Stadt. Unter den derzeitigen Umständen will keiner sich mehr niederlassen. Und die es versuchen wollen, erhalten keine Kredite mehr von den Banken. „Was, Herr Dr., Sie wollen nur von dem leben, was Sie von der GKV kriegen? Tun Sie erstmal noch andere Quellen auf, wo Sie Geld herkriegen: Igel-Leistungen, Privatpatienten, sonst kriegen Sie von uns keinen Praxis-Gründungskredit“
Insgesamt ein sehr lebendiger Abend, mit dem Protest-Song, einem "Ulla-Rap" und vielen interessanten Gedanken.
Gesundheitsforum: Gesundheitspolitik vor und nach der Bundestagswahl am 19. Juni
Prof. Fritz
Beske (Leiter des Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel)
moderierte brillant und eröffnete die Diskussion mit der Frage nach Rationierung in unserem
Gesundheitssystem. Nach den m.E. zu langen, ausschweifenden Reden der
drei Politiker (D. Bahr, FDP; Dr. W. Wodarg, SPD; Dr. R. Koschorrek,
CDU) und vier Vertreter des Gesundheitswesens kam er zu dem Resümee,
dass Rationierung offen
diskutiert werden muss, da sie durch Vorgaben vom Gesundheitsministerium
praktiziert wird und ständig praktiziert werden muss (z.B. Budgetierung
ist Rationierung u.v.m.).
Diskussionsbeiträge zur flächendeckenden
Arztversorgung, zu MVZs, Ausschreibungen von Hilfsmitteln,
Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel, Transparenz der Geldströme, usw.
wurden von den Politikern häufig ziemlich pauschal beantwortet. z.B.
viele Mißstände entstünden eben durch die Mechanismen des Marktes.
Dabei leugnet die Politik jedoch, dass die Freigabe des
Gesundheitssystems auf dem Markt ja durch die Gesetzgebung verursacht
ist, was die Vertreter von KV, Kassen und Krankenhäusern hervorhoben.
Im Gesamtresümee bemängelte Prof. Beske den fast
unüberwindbaren Bürokratismus und die gewollte Undurchschaubarkeit
dieser Gesetze und Gesetzesvorschriften. Im Grundgesetz steht, dass
jedes Gesetz verständlich sein muss, aber davon sind wir meilenweit entfernt.
Wir waren 10
Vertreter von Schulterschluss und outeten uns mit unseren T-Shirts.
Während der Diskussion konnten wir mit gut formulierten, gezielten
Fragen unsere Initiative präsentieren und bekamen dafür sogar kräftigen
Beifall. Im Anschluss wurden unsere Flyer und Gespräche mit uns gerne
aufgegriffen.
Erstaunt hat die
Aussage der Politiker, dass sich nur ca. 50 der 614
Bundestagsabgeordneten mit Gesundheitspolitik befassen. Es wurde auch
zugegeben, dass da Überzeugungsarbeit einzelner Mitglieder nur sehr
schwer möglich ist und ein Abgeordneter bestätigte mir anschließend,
dass diese Überzeugungsarbeit von den verschiedenen Lobby-Gruppierungen
nur im Eigeninteresse geleistet wird.
Rückblickend ist es
bedrückend, dass alle Gruppierungen in jeweils ein bis zwei einzelnen
Punkten übereinstimmen, niemand jedoch eine zusammenhängende Vision
hat, wie unser Gesundheitswesen in transparente und solidarische Bahnen
zu lenken ist. Auch wie wir Beitragszahler in Entscheidungsprozesse
eingebunden werden können ist noch gar kein Thema. So bleibt zu
befürchten, dass immer nur Einzelinteressen verfolgt werden, und das
Flickwerk weitergeht. Die "Gesundheitspolitische Agenda 2009" des
Fritz-Beske Instituts wurde hier leider nicht diskutiert, obwohl sie
vielleicht den einzigen Gesamtansatz zur Verbesserung des
Gesundheitssystems darstellt.
Bürger-Patienten-Forum in Travemünde am 18. Juni
Über
100 Bürger-Patienten trafen sich in Travemünde um Erklärungen zu
bekommen für die Unzufriedenheit der Ärzte und über einige Regelungen
des Honorarsystems. Allgemeinarzt U. von Rath als Initiator begrüßte
die Gäste. Der 2. Vorsitzende der kassenärztlichen Vereinigung
Schleswig Holsteins (Dr. R. Ennenbach) und zwei Ärzte beschrieben die
Situation z.T. drastisch aus ihrer Sicht, nachdem eine Bürger-Patientin
sehr eindrücklich ihre Sorgen über das Gesundheitssystem der Zukunft
vorgetragen hatte. Wichtig war allen Teilnehmern, der Unterschied
zwischen der öffentlichen Berichterstattung in den Medien, und was man
zu hören bekommt, wenn man direkt mit Ärzten, Patienten, und anderen
Beteiligten ins Gespräch kommt.
Wir waren aus Kiel mit 4 Personen
dabei und haben uns sehr über die regsame Teilnahme der Bürger und auch
vieler Ärzte gefreut. Die Travemünder Initiative hat unsere T-Shirts
übernommen. Wir hoffen auf eine fruchtbare Zusammenarbeit und weitere
"Schulterschlüsse" in Schleswig-Holstein.
2. Kieler Bürger-Patienten-Treff am 11. Juni 2009
Diese Sitzung rief Betroffenheit unter den ca. 60 Anwesenden hervor, da klar wurde, wie wenig wir Einfluss nehmen können auf den Umgang mit unseren Beiträgen zu den gesetzlichen Krankenkassen, und wieviel Geld in zweifelhaften Kanälen versickert.
Daher stand am Ende die Frage im Raum: Was braucht jeder Einzelne um aktiv zu werden? Vielleicht sollten Seminare angeboten werden, oder kleine Heftchen herausgegeben werden, in denen die Vorgänge knapp aber verstehbar zusammengefasst werden. Daran wollen wir weiter arbeiten. Dabei
wird das von allen gewollte Solidarsystem immer weiter ausgehöhlt.
Wieder wurde uns klar, wie tendenziell verwirrend und einseitig die
Medien über diese Vorgänge berichten und wieviel Aktivität jeder
Einzelne aufbringen muss, um Einblick in die Vorgänge zu bekommen. Das
Gefühl der Hilflosigkeit, das angesichts der Komplexität in einem
auftaucht, gilt es zu durchbrechen und an einem Punkt, und sei es bei
der persönlichen Betroffenheit zu beginnen, sich gegen den
schleichenden Verkauf unseres Gesundheitssystems an Kapitalinvestoren
zu wehren. Das, was uns am Ende eines solchen Prozesses erwartet ist
ein geradezu menschenverachtender Umgang mit Patienten, die dann nur
noch als Wertschöpfungsobjekte herhalten müssen.
1. Kieler Bürger-Patienten-Treff am 14. 5. 2009
Mehr als 60 Interessierte kamen im Restaurant Seeburg zusammen, um den Schulterschluss zwischen Ärzten und Patienten zu üben.
Sabine
Petersen beleuchtete in einem lebendigen und engagierten Vortrag, wie
immer mehr Elemente der Marktwirtschaft in das eigentlich von Vertrauen
geprägte Verhältnis zwischen Arzt und Patient und in alle Bereiche der
Medizin einziehen. Das anschließende lebhafte Gespräch war trotz des
Engagements aller Beteiligten sehr sachlich. Dabei ging es vor allem um
die Klärung verschiedener Zusammenhänge, z.B. was ist ein Medizinisches
Versorgungszentrum (MVZ), was ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV)
etc. Die ganze Veranstaltung war durchzogen von dem Entschuss, sich
nicht zu vereinzeln und spalten zu lassen.
Quintessenz: ES GEHT!!!Es
wurden viele Ideen zusammengetragen, wie die Aktion weitergetragen
werden kann. Das Regionale Praxisnetz Kiel hat seine Unterstützung
angeboten, damit wir als Bürger-Patienten uns eine notwendige Kompetenz
in vielen Fragen des Gesundheitssystems erarbeiten können. Es ist klar,
nur mit dem Bemühen die Vorgänge im Gesundheitssystem zu verstehen und
sich verantwortlich einzubringen, können
wir weiterkommen. Es herrschte eine wunderbare Aufbruchstimmung,
angefacht und ermutigt durch das Einspielen einer Sequenz von der
Massendemonstration im Münchener Olympiastadium, auf der 28.000
Menschen für den Erhalt einer menschlichen Medizin demonstriert haben. Hier die PowerPoint als PDF
Ankündigung in den Kieler Nachrichten am 13. 5. 09